Bunte Nacht und Fest der Begegnung

Das spätsommerliche Wetter und ein buntes Programm spielten der Nacht der offenen Kirchen in Aschaffenburg in diesem Jahr in die Karten. Hunderte von Besuchern nutzten den milden Abend, um zwischen 18 und 23 Uhr zwischen verschiedenen Gotteshäusern und anderen Kirchorten zu bummeln, Musik zu hören und spirituell Aufzutanken, unbekannte Orte zu entdecken und sich zu begegnen.

Schon der Eröffnungsgottesdienst in der Marktkirche St. Agatha sorgte für ein volles Gotteshaus. Der evangelische Pfarrer Matthias Leibach und die Gemeinderefrenten Eva Meder-Thünemann und Swen Hoffmann luden ein, dass Vater Unser in einer ungewöhnlichen Variante näher zu betrachten. Dabei benutzten sie eine Übersetzung des Gebets aus dem aramäischen Urtext, die diesen alten Text in einem neuen Licht erscheinen ließ. Unter anderem wurde der Gottesdienst mit Musik von Andreas Gebert an der Handpan und einem Tanz der Theatergruppe der Arbeiterwohlfahrt mitgestaltet.  

Ein Publikumsmagnet waren in dieser Nacht die Gospelkonzert in der Muttergottes-Pfarrkirche und in der Christuskirche. Die mal gefühlvollen, mal fetzigen Rhythmen der insgesamt fünf Gospel-Formationen luden ein, sich zu bewegen, zu klatschen und mitzusingen. Bewegen konnte man sich aber auch zu Orten, die ansonsten nicht so oft zugänglich sind. So war auch in diesem Jahr die kleine Kapelle im Schönborner Hof geöffnet und in der Kirche der Heiligen Katharina, in der die griechisch-orthodoxe Gemeinde beheimatet ist, konnte man über Heilige ins Gespräch kommen. Sehr gut besucht war in der Stiftsbasililka das Konzert des Vokalensembles VOCES. Ihnen gelang es mit ihrem Chorleiter Christoph Bayer, unter der Überschrift „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden“, die Besucher mit ihrer Musik zur Ruhe kommen zu lassen. Ebenfalls in der Stiftsbasilika gaben Orgelschüler des Regionalzentrums für Kirchenmusik ein Konzert. Sie freuten sich darüber, in wohlwollender Stimmung Kostproben ihres Könnens abliefern zu können.

Ganz im Freien fand die Veranstaltung an der Kirchenruine „Zum heiligen Grab“ im Park Schöntal statt. Vor der Kulisse der stimmungsvoll beleuchteten Mauern lud Dr. Ursula Silber zu einem Bibliolog ein, eine Form der Bibelarbeit. Die besondere Atmosphäre des Ortes unterstütze die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext. Und nicht nur Menschen, sondern auch Pfauen, Waschbären, Eichhörnchen und Igel schauten mal vorbei.

Ein weiteres Zentrum dieser Nacht war das Martinushaus. Von außen sah man viele erhellte Fenster. Drinnen konnte man im Martinsladen der Caritas zum „Late-Night-Shopping“ vorbei schauen, mit dem Team der Jugendarbeit seine Visionen von der Kirche kreativ in eine Modellkirche einbringen, Musik hören mit Klezmusica, mit Mitgliedern internationaler christlicher Gemeinden ins Gespräch kommen, mit der Klinikseelsorge Impulse, Texte und Musik zum Thema „Würde und Zerbrechlichkeit“ meditieren, Kurzfilme ansehen oder Taizé-Lieder singen. Vor der Türe konnte man am digitalen Lagerfeuer auf dem Platz zwischen Martinushaus mit der Gruppe Maria 2.0 Lieder singen und Impulse hören. In der Kirche gab es den Sonnengesang des Franz von Assisi als beeindruckende  Pantomime und das Clown Theater „Das lange Leben“ mit Ingrid Elgert und Mathilde Schaab-Hench. Das Ensemble „Mehrklang gab hier gemeinsam mit dem Mainaschaffer Chor Mosaik ein paar Kostproben aus dem Musiktheater „Mirjam – die Frau aus Magdala“, dass Mitte Oktober in der Kirchen aufgeführt wird. Insgesamt 12 Orte konnten in dieser Nacht von den Besuchern angesteuert werden. Anke Haas, die Koordinatorin des ökumenischen Vorbereitungsteams, zeigte sich am Ende sehr zufrieden mit dem Ablauf der Nacht und der Vielfalt der Angebote. „Ich denke, es war für nahezu jeden etwas dabei“, sagte sie in ihrem Fazit. Und zur Stimmung des Abends: „In den Straßen und Kirchenräumen blickte man überall in viele glückliche, freudvolle und rundum zufriedene Gesichter.“ Das war auch von den Besuchern zu hören, die man beim Markttreff vor der St. Agatha – Kirche antraf. Hier wurde unter liebevoll gestalteten Marktschirmen bei einem Glas Wein und einem Marktsnack auch intensiv die Möglichkeit genutzt, mit anderen Besuchern der Kirchennacht ins Gespräch zu kommen.