„Leben ist, was du daraus machst!“

Aschaffenburg (POW) Am Namenstag des heiligen Kilian am Mittwoch, 8. Juli, hat Bischof Dr. Franz Jung die Johannes-de-la-Salle Berufsschule (JdlS) in Aschaffenburg besucht. Das ist eine anerkannte Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung in der Trägerschaft der Caritas-Schulen gGmbH. Deren Schülerinnen und Schüler, von denen viele einen Migrationshintergrund haben, bedürfen besonderer Förderung.

Der Besuchstag startete mit einem Gottesdienst in der Marktkirche Sankt Agatha in der Aschaffenburger Innenstadt. Konrektor Konrad Kohlhepp und Schülersprecherin Lauren Hohla begrüßten den Bischof. Kohlhepp vertrat die verhinderte Schulleiterin Uta Seitz. Er wies darauf hin, dass in der Kirche gerade von der Malerklasse der Schule Renovierungsarbeiten in einem Besprechungsraum durchgeführt werden und es von daher auch eine direkte Beziehung zwischen der Schule und dem Kirchenraum gäbe.

Der Bischof bezog sich im Gottesdienst auf das Jahresmotto der Diözese „Hab Mut, steh auf!“ und übertrug das dazugehörige Evangelium von der Heilung des blinden Bartimäus auf das Motto der Caritas-Schulen gGmbH „Leben – Lernen – Fördern“. Bartimäus wollte nicht vor Selbstmitleid zerfließen, sondern etwas aus seinem Leben machen, sagte der Bischof. Ihm sei klar gewesen, dass nicht immer nur alle anderen etwas für ihn tun sollten, sondern dass er sein Leben auch selbst in die Hand nehmen müsse. „Diese Sehnsucht des Herzens auch in Worte zu fassen, ist oft schon eine Grenze, deren Überschreitung zu einer Besserung der Lebensumstände führt“, erklärte Bischof Jung. Diese Grenze sei von Bartimäus überschritten worden, als er nach Jesus rief. So habe der Blinde dann auch Förderung erfahren, denn Menschen hörten ihn und ermutigten ihn, sich an Jesus zu wenden, damit er gesund wird.

So ähnlich könne es auch mit den Schülern passieren, die an der JdlS ihre Ausbildung machen. Wer sein Leben in die Hand nehme und dort eine Ausbildung beginne, erfahre dort dann auch Förderung, um seinen Weg weiterzugehen, sagte Bischof Jung. „Leben ist, was du daraus machst“, rief er den Schülern zu. Der Bischof wünschte den Lehrern viel Erfolg dabei, das Potential der Schüler zu wecken und zu fördern.

Im Anschluss an den Gottesdienst besuchte der Bischof die Schule im Stadtteil Schweinheim. Sie ist im Gebäude der ehemaligen Junior Highschool der früher in Aschaffenburg stationierten amerikanischen Truppen untergebracht. Dort gibt es neben den Unterrichtsräumen verschiedene Werkstätten, die unterschiedliche Berufsausbildungen ermöglichen. Sie reichen von der Holzverarbeitung über Kraftfahrzeug-Mechatronik bis hin zu Gartenbau. Ausgebildet werden zudem beispielsweise Köche, Maler, Verkäufer oder Friseurinnen. Laut Kohlhepp besuchen die Schule aktuell rund 360 Schüler und Schülerinnen aus Stadt und Landkreis Aschaffenburg sowie dem Landkreis Miltenberg. Sie werden von rund 40 Lehrkräften betreut.

An der Schule gibt es auch eine Beratungsstelle, die Schüler beim Übergang von der Schule ins Berufsleben unterstützt und sie während der Berufsausbildung begleitet. An der JdlS kann man sowohl ein Berufsvorbereitungsjahr als auch eine Ausbildung machen. Letztere endet in der Regel mit einem Abschluss als Fachpraktiker oder Fachwerker, kann aber durch ein weiteres Ausbildungsjahr auch mit dem jeweiligen Vollberuf abgeschlossen werden. Das Gebäude, in dem die Schule untergebracht ist, ist inzwischen sehr in die Jahre gekommen, aber ein Neubau nach langen Planungen jetzt in Aussicht.

Bischof Jung suchte bei der anschließenden Begegnung im Schulhaus das Gespräch mit den Lehrern und den Schülern. Er zeigte sich erstaunt über das breite Portfolio der Schule und das Konzept der kleinen Lerngruppen, in denen mit den Schülern gearbeitet wird. „Die Institution hilft den jungen Menschen niederschwellig, den Start ins Berufsleben zu schaffen, und leistet so auch einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft“, war sein Fazit am Ende des Besuchs.

bv (POW)