Eine Projekt-Kirche mitten in unserer Stadt, neben dem Marktplatz – St. Agatha – Kirche am Markt am Samstag, den 25. Juli. Im Hauptschiff eine lange, schön gedeckte Tafel ins Licht gesetzt. Auf den Tellern, in gefaltete Servietten sind 40 verschiedene Geschichten gesteckt. Es sind Geschichten von Menschen, die von Armut, Wohnungslosigkeit, Flucht, Arbeitslosigkeit und Einsamkeit betroffen sind. Zum Teil haben sie uns die Geschichten so erzählt wie aufgeschrieben, zum Teil haben wir sie aufgeschrieben nach Begegnungen in unseren Beratungsstellen und unserem Sozialkaufhaus. Geschichten von Menschen, die man oft nicht sieht und hört und die doch mitten unter uns leben. Geschichten von unverschuldeter Not, aber auch von Kraft der Veränderung und Hoffnung. Sie standen im Mittelpunkt von „Story Teller“. An einer Station haben weitere Menschen ihre Geschichte aufgeschrieben. Als Diakonie finden wir: In allen großen sozialen Herausforderungen geht es zuvorderst um Menschen. Armut kennt viele Geschichten – sie müssen erzählt und gehört werden.
Story Teller servierte Geschichten auch in einer Ausstellung „Nicht übersehen – Menschen in Aschaffenburg“, welche wir zusammen mit anderen sozialen Trägern (Sozialpolitischer Arbeitskreis, Sopo) konzipiert und als Diakonie zwei der 6 Hoffnungsgeschichten und Gesichter auf großen RollUps beitragen konnten.
Der Assyrische Kulturverein Aschaffenburg, der sich seit vielen Jahren in unserem Sozial- und Integrationscafé trifft, hat wunderschönes und leckeres Fingerfood zubereitet. Auf einem Buffet im Seitenschiff konnte man sich – auch auf einen Teller – davon nehmen.
Alle halbe Stunde haben wurden ausgewählte Geschichten vorgelesen. Zuhour, 2025 aus Syrien nach Aschaffenburg geflüchtet hat ihre Geschichte selbst gelesen. Die junge Frau hat heute ein kleines Unternehmen im Bahnhofsquartier und begleitet andere Frauen und Kinder auf Schritten der Integration.
Musik war mit den Geschichten verbunden – beide haben Herzberührt und klangen nach: Das Jazz-Dixie Duo Brassette spielte bereits vor der Veranstaltung auf dem Aschaffenburger Markt und lud in die Kirche ein, dann nochmal vor und in der Kirche. Burkard Vogt und Thorsten Krämer (Moment Mal Band, Aschaffenburg) sangen zwei Lieder mit besonderer Botschaft – Wunder und Herzensgründe. 30 Menschen des inklusiven Chors „Freudentöne“ erzählten mit Liedern und Trommeln ihre Geschichte von Menschsein, Vielfalt und Zusammenhalt und steckten an mit Freudentönen und Lebensfreude.
So wurde ganzheitlich möglich, Geschichten zu hören zu lesen, zu schmecken zu sehen
Story Teller erreichte 250 bis 300 Menschen, brachte unterschiedliche Menschen zusammen, nicht nur an eine Tafel: Menschen, die von Armut und Obdachlosigkeit betroffen sind, Politiker:innen, Vertreter:innen kirchlicher Gruppen und solche die die die Kirche verlassen haben und solche anderer Religionen, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen unterschiedlicher KulturenKlient:innen, Beschäftigte unseres Sozialen Beschäftigungsbetriebes und Besucher:innen unseres Sozialkaufhauses, Spender:innen und Beschäftigungspaten, Menschen die gezielt kamen und solche die angelockt wurden… – Menschen eben. Story-Teller ermöglichte Begegnung, eine Erfahrung von Zusammenhalt und Verständigung, Zuhören, Austausch.
Genau das ist Not-wendig im echten Wortsinn, damit unser Miteinander gelingt, Menschen nicht übersehen, ihre Geschichten gehört werden und Haltung wächst.
Oder, wie es in einem Lied aus der Veranstaltung heißt: Das wäre ein Wunder, wenn da, wo alles am Ende ist und niemand mehr Chancen sieht, wenn da noch was passieren könnte. Wenn da ein Samen Hoffnung läge, wenn da die Zukunft begänne, wenn die Liebe nicht aufhört – Das ist ein Wunder, das täglich bei uns geschieht.
Wolfgang Grose, 27.07.2026

